Nordhausen – eine aktuelle Betrachtung

Entgegen ihrer Ankündigung schaffte es die Nordhäuser Naziszene, allen voran die Autonomen Nationalisten und die NPD, nicht, das Gedenken der Bombardierung Nordhausens am 03.04.2012 für ihre Zwecke zu missbrauchen. Viel mehr stießen sie auf eine breite Öffentlichkeit, die nicht akzeptierte, dass Nazis das Gedenken für ihre einseitige Geschichtsbetrachtung benutzen.
Im Nachgang dieser Veranstaltung wurde über den Twitter-Account der Autonomen Nationalisten verkündert, man werde Personen, die sich beim Gedenken den Nazis öffentlich in der Weg stellten, „besuchen“. Solche Einschüchterungen haben Methode, wollen sie doch ein Klima der Angst schaffen, das engagierte Person davon abhält, ihre Bemühungen gegen Rechts fortzusetzen.
Das diese Androhungen zumeist nur leere Worte sind, hat sich in der Vergangenheit oft bewahrheitet. Das diesem Verbalradikalismus selten Taten folgen, dürfte besonders Denis W., den Betreiber der örtlichen Naziwebseite, ärgern, wünscht er sich doch einen quasiparamilitärischen Arm, der in der „roten Stadt für frischen Wind“ sorgt.

Obwohl es in Nordhausen ein breites Spektrum an eindeutig rechten und zumindest rechtsoffenen Personen gibt, kann sich die Szene hier nicht so etablieren, wie es einige Kader gerne möchte. Dies hat vorallem zwei Gründe. Da sich der nationale Unverstand, getreu ihrer Propaganda dem Volkstod entgegenstemmend vermehrt, verabschieden sich von Zeit zur Zeit Nazigrößen aus dem Geschäft.
Da man sich mit vollem Elan der eigenen Aufzucht hingibt, gerät das aktionistische Spielfeld zunehmend aus dem Blick. Hierbei mag es Ausnahmen geben, diese können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im aktionsorientierten Lager keinen erkennbaren, braunen Faden gibt. Es fehlen kurzum: die Personen, welche die Szene organisieren und mobilisieren.
Ausgenommen von der von Denis W. und Alexander L. betriebenen Webseite samt Twitter-Kanal, fehlt es an zentralen Persönlichkeiten und Strukturen.
Hinzukommen Streitigkeiten innerhalb der Szene und (vermeintliche) Abgänge, die aufgrund des Drucks der Repressionsorgane im Zuge der Ermittlungen gegen NDH-CITY gefördert wurden.
Wackerfront
Abzuwarten bleibt, wie sich das politische Umfeld bei der sogenannten „Wackerfront“ entwickelt. Die Gruppe bemüht sich
um ein ultrahaftes Auftreten. Hierbei soll dem Verein und deren Führung gezeigt werden, dass man nichts mit der ehemaligen Hooligangruppe NDH-City am Hut hat. Vielmehr soll durch Choreo und Fangesänge und der damit einhergehenden „Stimmung“ das Herz des normalen Fußballzuschauers gewonnen werden. Ein klarer Schnitt und Neubeginn möchte auf diese Weise signalisiert werden. Inwieweit dies gelingen kann, da bekennende Nazis und ehemalige NDH-City-Schläger in den eigenen Reihen die Schlachtgesänge im Station mitgrölen, darf gespannt beobachtet werden.