Rosen auf den Weg gestreut

Ja, ja, schön ist die Heimat… Nordhäuser Nazis marschieren (zwar mit lächerlicher Truppenstärke, aber immerhin) im Stile der „Unsterblichen“ [selbst ernannte Retter einer ahistorischen (weil nationalistischen), eintönigen (weil Sauerkraut) und unmenschlichen (weil faschistischen) Schland-Kultur] beim Rolandsfest auf (natürlich ohne eine nennenswerte Intervention beherzter „Nordhausen-ist-bunt“-Bürger – das gibt mal wieder zu denken), schlagen und treten den örtlichen Bürgermeister in aller Öffentlichkeit, verschandeln regelmäßig die Stadt mit Schmierereien, Aufklebern und Plakaten (naja, auch wenn sie nicht lange halten) und verbreiten unablässig ihren Ungeist, Hass und Angst…

Doch nach, sage und schreibe, nunmehr drei Wochen ist noch immer kein Ermittlungserfolg vorzuweisen, obgleich laut Nordhäuser Polizei-Angaben weiterhin nach den Tätern gesucht wird und, wie mensch sicherlich vermutet, wirklich Alles zur Ergreifung der Nazi-Bande getan wird. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Beamten dabei stets die Worte des werten Herrn Tucholsky in den Ohren behalten, ganz so, wie es die untätige Nordhäuser „Rolandsfest-Bier-und-Bratwurst„-Zivilgesellschaft glänzend vorgemacht hat:

Rosen auf den Weg gestreut

Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,
erschreckt sie nicht – sie sind so zart!
Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln,
getreulich ihrer Eigenart!
Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!

Wenn sie in ihren Sälen hetzen,
sagt: »Ja und Amen – aber gern!
Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!«
Und prügeln sie, so lobt den Herrn.
Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft.

Und schießen sie –: du lieber Himmel,
schätzt ihr das Leben so hoch ein?
Das ist ein Pazifisten-Fimmel!
Wer möchte nicht gern Opfer sein?
Nennt sie: die süßen Schnuckerchen,
gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen …
Und verspürt ihr auch
in euerm Bauch
den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft –:
Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten,
küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft –!

Theobald Tiger (Kurt Tucholsky)
Die Weltbühne, 31.03.1931, Nr. 13, S. 452.

Wenn mensch sich Gedichte schlechter zu merken vermag als einen soliden musikalischen Kulturschatz, dann sei zur erfolgreichen Memorisierung des Gesagten die nachfolgende Aufbereitung des edlen Tiger-Stoffes von Schlagzeiln und Filou ans antinationale Herz gelegt:

Übrigens: Unter dem Namen „Rosen auf den Weg gestreut“ findet mensch eine Reihe ebenfalls sehr interessanter Schriftstücke der Antifa Berlin-Pankow, auf die an dieser Stelle verwiesen werden soll: Antifa Jugendinfo für Nordost-Berlin und Bernau