Archiv für Oktober 2012

Guter Rat(-schlag) muss nicht teuer sein!

Wer von Euch noch nie in seinem_ihrem Leben in Gotha gewesen ist, der_die hat mit großer Wahrscheinlichkeit schon Einiges verpasst. Aber noch ist nicht aller Tage Abend!

Denn am 2. und 3. November 2012 gastiert der 22. Antifaschistische und Antirassistische Ratschlag im schönen GOTHA! Und genau DU fehlst noch, um die Veranstaltung noch etwas besser, weil vielfältiger, zu machen! Sei ein Teil und bring Dich ein und/oder informiere Dich, was so in puncto Antifa in Thüringen geht.

Also auf nach Gotha, oder erstmal dem Link gefolgt, um die wichtigsten Infos zu erhalten.

Als kleine Motivation findest Du noch einen netten Beitrag der Filmpiraten zur „Der Frust muss raus!“-Demo in Erfurt. Ein großes Dankeschön also an die Filmpiraten!

Wir sehen uns in Gotha!

What’s new?

Unsere Seite hat mal wieder reichlich Zuwachs in der Sidebar zu verzeichnen. Also nehmt Euch die Zeit und erfahrt mehr über die Welt, die uns umgibt. Macht Euch Gedanken, gewinnt eine eigene Vorstellung und erweitert Euren Horizont. Der Bereich: „Bildungsangebote“ kann auch dabei helfen!

Parallel zum Aspekt der Formung einer eigenen Persönlichkeit durch umfängliche Bildung, empfiehlt es sich auch, die Praxis nicht zu vernachlässigen. Hier hilft Euch der umfangreiche Bereich: „Freizeitangebote“, der zum Teil eine gespaltene Körperlichkeit erfordert, da mancher Tag mit mehreren Demos gleichzeitig an verschiedenen Orten aufwartet. (Aber seid unbesorgt: Wir fahren nicht durch die ganze Republik, um uns die Füße wund zu stehen und keinen Meter zu laufen – das war der Kamerad_innen-Spaß! Nee, Antifa heißt Premium-Freizeitgestaltung!)

Nach erfolgreichem Kampfe mag ein gemütlicher Filmabend Eurer Regeneration zuträglich sein. Möglicherweise findet Ihr anregendes Bildmaterial in unserer „Schwarz-Roten Flimmerkiste“.

Wenn sich langsam Routine eingestellt hat, dann wird es Zeit, zu den edleren Früchten des Widerstandes vorzustoßen. Die „Angebote für Fortgeschrittene“ stellen eine Auswahl derartiger Perlen dar, die jedoch selbstverständlich unvollständig bleiben muss. Es gilt die Devise: „Do it yourself“!

Zur Aufwertung des vorliegenden Blog-Eintrages (ja, das ist Selbstkritik – es gibt eben immer zu viel zu tun und/oder zu wenig Zeit, da kann ein Blog schon mal leiden…) sei folgendes Zitat des Herren Georg Seesslen aus einem taz-Artikel vom 10. Oktober 2012 zur Problematik der Nation anzuführen:

Die Antwort auf den Verlust des Sozialen ist die Nationalfahne am Auto; die Antwort auf das Verschwinden von Gesellschaft ist der lautstarke Genuss völkischen Beisammenseins.

Gut, vielleicht ein wenig aus dem Kontext gerissen, aber die Aussage passt: Für etwas Besseres als die Nation!

Zum Abschluss noch ein feines Musikstück für alle Kamerad_innen da draußen. Ihr kommt hoffentlich auch noch dahinter (Belest Euch doch zum Beispiel einmal in einer ruhigen Minute zur Völkerwanderung oder zur Ethnogenese, staunt über die Reinheit der „teutschen Nazion“ und stellt fest, dass Ihr bis dato an einen kranken Gedanken geglaubt habt!). Die freundlichen Grußworte stammen übrigens von Albino und Plan 88, die diesen sehr delikaten „Brief an den Feind“ erfreulicherweise kostenlos zur Verfügung stellen:

Stell Dir vor..

.. es ist ein sonniger Tag und Du schlenderst mit leerem Magen durch die herbstlichen Straßen von Nordhausen. Du schaust Dich verzweifelt nach einer Möglichkeit um, Deinem Hunger ein Ende zu bereiten. Deine Augen wandern sehnsüchtig über die Dich umgebenden, schillernden Fassaden. Du bist beeindruckt vom schieren Überangebot an überflüssigen Gütern, die in den Schaufenstern all der Filialen dieser global agierender Unternehmen zum Verkauf angeboten werden. Eine Designer-Jacke? Eine Golduhr? Ein Mobiltelefon? Du fragst Dich, ob mensch hier keine anderen Probleme hat.

Doch da steht er endlich: der Markt Deiner Wahl. Weltweit agierende Kette, Billig-Discounter oder der gute, alte Tante-Emma-Laden? Das ist Dir jetzt egal – Hauptsache nicht mehr hungern! Also gehst Du eiligen Schrittes in einen Tempel der Köstlichkeiten. Du bist überwältig vom Angebot einer materiell unglaublich reichen Gesellschaft auf der ökonomischen Sonnenseite der Erde. Um Dich herum beobachtest Du emsiges Treiben: die unterbezahlten Mitarbeiter_innen ordnen die verführerischen „Waren“ in die bereits prall gefüllten Regale ein, der Markt-eigene Radiosender dudelt die neusten Sonderangebote, gemischt mit Pop-Musik-Cover-Shopping-Shit-Hits herunter und ein_e jede_r scheint hier einem klaren, aber Dir unsichtbaren Ziel nachzujagen. In der Ecke steht der finster dreinblickende, aber sicherlich gutbürgerliche und stets rechtschaffende Sicherheitsmann – nennen wir ihn Denis W. – und beobachtet den ordnungsgemäßen Ablauf des Einkaufsgeschehens.

Du schnappst Dir einen Einkaufswagen und packst die Nahrungsmittel (vielleicht sind es zum Teil sogar Lebensmittel!) hinein, genau so wie es ein_e jede_r um Dich herum auch tut. Du kommst an einem Regal vorbei, in dem Lernmaterialien angeboten werden. Du hast einmal gehört, dass Bildung Macht sei und greifst nach einem Buch. Das „Lob des Lernens“ pfeifend, bewegst Du Dich weiter durch den Laden und legst noch ein paar Batterien und eine Taschenlampe in den Wagen, damit Du auch abends im Bett noch etwas lesen kannst, ohne den geliebten Menschen an Deiner Seite vom Schlafen abzuhalten. Auf dem Weg zur Kasse denkst Du nochmals darüber nach, ob Du nun alles Notwendige zusammen hast. Nichts fehlt. Es ist das Nötigste: mehr geht nicht. Also, auf zur Kasse.

Du hast Glück: gerade als Du zur Schlange an der Kasse kommst, wird ein weiterer Schalter geöffnet und Du kannst Dich als Zweite_r anstellen. Die Wartezeit an der Kasse nutzt Du, um noch ein paar Teelichter und ein Feuerzeug auf das Band zu legen, da Du Deine_n Partner_in mit einem romantischen Abendessen überraschen möchtest. Ihr habt zwar nicht viel, aber Eure Liebe macht es erträglicher.

Jetzt ist es so weit, Du bist endlich dran. Die Schlange hinter Dir ist ziemlich lang und Du bemühst Dich, Deinen Einkauf zügig auf das Band und dann in die Tüten zu bekommen. Der angestrengt freundlich blickende Mensch an der Kasse zieht die Waren über den Scanner und geht routiniert seinem monotonen Handwerk nach, ohne Dir einen Blick oder gar ein (ernst gemeintes) Wort zu schenken. Über eine elektronische Anzeige wird Dir der Preis Deines Einkaufes mitgeteilt: 13,12 €. Du greifst in Deine Hosentasche – eine Geldbörse hast Du leider nicht – holst das Dir zur Verfügung stehende Zahlungsmittel hervor und überreichst es demütig.

Hinter Dir vernimmst Du ein leises Raunen. Ein aufgeregtes Tuscheln. Einige lachen scheinbar. Der Mensch an der Kasse runzelt die Stirn und weist Dich darauf hin, dass Du nicht dazu berechtigt bist, Dir ein Buch zu kaufen. Auch die Batterien müssen raus. Die Teelichter und das Feuerzeug sind für Dich ebenfalls verboten. Das Flüstern in der Schlange hinter Dir wird langsam zu einem Rumoren, als Dich der Kassierer auch noch auffordert, nochmals in den Laden zurückzugehen, um für weitere 36,88 € einzukaufen. „Aber nur Essen und Hygieneartikel!“, ruft er Dir hinterher, während Du eilig zu den Regalen zurückkehrst.

Du schämst Dich. Alle schauen Dich an. Sie tuscheln und lästern. Einige scheinen wütend zu sein, da sie bereits so lange an der Kasse warten müssen. Sie zeigen auf Dich und der „nette“ Sicherheitsmann weist Dich an, Dich endlich zu beeilen und flüstert Dir etwas zu. Du verstehst nicht, was er sagt, aber Du weißt, dass er es nicht gut mit Dir meint: da war irgend etwas mit „Polizei“ und dass er auch „ganz anders kann“. Du hast Angst.

Du kommst zurück zur Kasse und hast so viel Essen gekauft, dass Du noch gar nicht weißt, was Du damit tun sollst, da Du keinen Kühlschrank hast und überhaupt: warum wirst Du so behandelt? Was hast Du getan? Warum wirst Du anders behandelt als die Menschen um Dich herum? Du willst leben – wie sie! Du willst Frieden, Gesundheit und Freund_innen – wie sie! Du willst Dich gesellschaftlich einbringen und essen – wie sie! Du willst, dass alle Menschen die gleichen Chancen und Rechte haben. Kann mensch etwas für seine Geburt? Lassen sich Privilegien auf Zufall begründen? Welches Unrecht wird Dir vorgeworfen? Was? Wieso? Warum?

Wozu diese Geschichte? Das fragen wir uns auch! Die Auflösung verdanken wir den Filmpiraten, denen an dieser Stelle recht herzlich für den nachfolgenden Beitrag gedankt sei:

Wir bleiben dabei:

Kein Mensch ist illegal – Bleiberecht überall!
Weg mit rassistischen Sondergesetzen!
No border! No nation!

Und wer es lieber etwas musikalischer mag, der sei auf den nachfolgenden Titel: „Festung Europa“ verwiesen, den der sehr geehrte Johnny Mauser der Allgemeinheit dankenswerterweise kostenlos zur Verfügung stellt:

Der Frust muss raus!

So, jetzt aber schnell den Rotstift und den Terminplaner rausgeholt und den 13. Oktober 2012 vorgemerkt. Denn: „Der Frust muss raus!“ Nach unzähligen Nazi-Demos und Übergriffen durch Faschos sowie staatliche Repression gegen Antifaschist_innen in Erfurt ist es nun genug. Lasst uns gemeinsam nach Erfurt fahren, um die Demo für konsequentes Handeln gegen Nazis, Rassismus und staatliche Repression zu unterstützen. Mehr Informationen findet Ihr unter:

Der Frust muss raus! Konsequent handeln gegen Nazis, Rassismus und staatliche Repression! Demo am 13. Oktober 2012 in Erfurt