Archiv für Januar 2014

Die wollen doch nur reden!

Im Vorfeld des 3. Aprils, jenem Jahrestag der Bombardierung Nordhausens, denkt die Stadtverwaltung über neue Wege des Umgangs mit dem Gedenken nach. An sich ein lobenswerter Schritt der Selbstreflektion. In Nordhausen jedoch verkommt dieser Prozess zur allseits bekannten Geschichte „Diskussionen, die längst bewältigt geglaubt schienen“.
Denn leider fiel den Verantwortlichen im Nordhäuser Rathaus nichts besseres ein, als sich ausgerechnet „Mentoren“ aus Dresden einzuladen. In welch aufgeklärter Weise die Dresdner Obrigkeit es versteht, den „Opfern der allierten Bombenangriffe“ zu gedenken, verdeutlicht ein Blick auf die Zahlen des jährlichen Nazi-“Trauermarschs“.
Das von der Stadt veranstaltete, selbstbejammernde alljährliche Gedenken ist so rechtskonservativ und verlogen, dass es für Alt- und Neu-Nazis ein leichtes war, sich im lokalen Erinnerungszirkus zu etablieren. Die Teilnehmerzahl stieg stetig und erreichte schließlich 2008 mit fast 7500 Teilnehmern ihren Höhepunkt. Von der Stadtverwaltung weitergehend ignoriert und verdrängt, konnte sich der „Trauermarsch“ so über die Jahre als fester identitätsstiftender Termin in der Naziszene etablieren. Erst die entschlossene Gegenwehr tausender angereister Antifaschisten konnte diesem Spuk 2010 Einhalt gebieten. Nach den erfolgreichen Protesten übersäten sächsische Behörden AntifaschistInnen mit zahlreichen Repressalien und wurden nicht müde, den Protest zu kriminalsieren und zu delegitimieren, während Nazis unter Polizeibeobachtung Menschen und Häuser angreifen. Einig im Geist war man sich, dass nur die von der Dresdner Obrigkeit initiierte „Menschenkette“ die „Stadt schützen“ und ein „würdiges Gedenken“ gewährleisten könne. „Rechts und Links würden das Gedenken für ihre Zwecke mißbrauchen“ war man sich einig. Dass die Art und Weise wie in Dresden mit dem Gedenken an die Bombardierung umgegangen wird, der Kern des Problems ist, darauf kommen vor Ort nur sehr wenige. Und so kommt es, dass sich protesterprobte Staatsdiener aus der Elbestadt ins schöne Nordhausen begeben, um die lokale Politikprominenz über den „richtigen“ Umgang des Gedenkens zu „coachen“. Wir freuen uns auf jedenfall bereits auf die Nordhäuser „Menschenkette gegen Extremismus“. Diese wird „anständige Nordhäuser“ davor bewahren, Spielball von Nazis oder „Peter Kube und der Antifa“ zu werden. Nazis dürfen dann wahrscheinlich – genau wie beim Vorgespräch im Rathaus – an der Veranstaltung teilnehmen, sofern sie sich anständig benehmen. Man wolle ja „niemanden zu früh verloren geben“ und vielleicht lassen sich auch ideoligisch geschulte und beinharte Nazis ja noch bekehren. Man soll die Hoffnung nie aufgeben und jede Gelegenheit nutzen. Was am Ende dabei herauskommt, wenn man versucht, mit Nazis friedlich zu reden, durfte schon der ehemaliger Nordhäuser Bürgermeister Matthias Jenndricke erleben.

Wir bleiben dabei. Kein Dialog mit Nazis und Vollidioten.

Du kleiner Rocker, du!

Wer das Zusammenspiel zwischen gewaltbereitem, rechtsoffenen Rockermileu und Neonazis nicht ganz aus dem Blickfeld verlor, dem wird das Gremium MC ein Begriff sein. Vor allem im provinziellen Ostdoitschland erstarkt, dürfen wir nun ein „Chapter“ (gibts dafür kein deutsches Synonym?!) in Nordhausen willkommen heißen. Mit dabei ein alter Bekannter, der einfach nicht die Hände von kameradschaftlich organisierten Strukturen lassen kann: Troll Elbert. Gespannt dürfen wir darauf warten, welche neuen Legierungen erforscht werden müssen, um das Motorrad zu erfinden/bauen, welches Däniz tragen soll. Ansonsten wäre wahrscheinlich allen Nordhäusern damit geholfen, wenn ihr euch selbst um einen der zahlreichen Bäume im Harz wickelt und uns dieses peinliche Pseudogangster-Gedöns erspart.

Heute: Vorabenddemo

Schon heute lohnt es sich nach Magdeburg zu reisen, um ein Zeichen gegen Nazis und staatliche Repression gegen linke Strukturen zu setzen. Denn die Vorabenddemo lädt wieder dazu ein, es ordentlich krachen zu lassen und ein ernstzunehmendes Anliegen auf die Straße zu tragen. Für nähere Infos checkt die Internetseite der Organisator*innen und zur Erbauung dient das folgende Mobivideo:

Was bleibt festzuhalten? Den Nazis keinen Meter!

Ein frohes Neues!

Sieh an, sieh an: der Royberkapitän verlässt das s(t)inkende Schiff, welches gerade erst zum großen Angriff auf ganz Thüringen geblasen hat. Zurück bleibt Leichtmatrose Wieschke und ein bereits deaktivierter Internetzugang der NazenParteiDepp*innen-Nordhausen (Gesichtsbuch geht noch)… Die Rücktrittserklärung unseres pferdeschwänzigen Sunnyroys wird als Sonntagabendlektüre wärmstens empfohlen, da er sich auf sehr amüsante Weise über einen „diktatorischen Führungsstil“ sowie fehlende Kameradschaft und Solidarität in der Partei beklagt – ja, genau darum geht’s doch, Mann! Wer darauf hofft, in einer Nazipartei auf basisdemokratische Strukturen zu treffen, der scheint ein wenig zuviel Nordhäuser Korn intus zu haben – mit derart, mensch möchte sagen: aufwieglerischem Impetus ist der Royboy ohnehin eine echte Gefahr für die nationale Rewolluzion – zumindest in Parteiform… Schöner formuliert findet sich dazu ein Artikel auf Publikative.org, den wir an dieser Stelle sehr empfehlen möchten.

Dass der verletzte Mann damit nicht aus der Welt ist, sollte klar sein – es bleibt nun abzuwarten, wie und ob er sein Engagement in der Aktionspuppe Nordhasen und den dieser assoziierten Hirnfreigemeinschaften wie der Europäischen Aktion intensiviert. Egal was kommt, wir werden da sein und sagen: „Der is‘ verletzt, der Mann!“

Nachtrag Magdeburg

Ein toller Mobitrack für die Gegenaktionen in Magdeburg von Left Vision und einer ganzen Bande von engagierten Rappern. Cee ya on the Streets, Naziscum!